Carpe diem instead of losing your social mind

24.03.2016 19:00

In einer neuen Veröffentlichung fassen die Professoren Christian Montag (Ulm) und Peter Walla (Wien) die Auswirkungen übermäßiger Smartphone-Nutzung auf unser seelisches Gleichgewicht und unsere geistige Entwicklung zusammen. Der frei verfügbare Artikel "Carpe diem instead of losing your social mind" erschien am 21.03.2016 im von Prof. Walla herausgegebenen Journal "Cogent Technology".

Interessant sind darin unter anderem die nachdrücklichen Appelle der Autoren - und zwar auch bereits im Abstract, der in der Wissenschaft sonst üblicherweise nüchtern gehalten ist. Am Ende des Abstracts fordern sie auf:

"Let us look into each other’s eyes and begin to spend more quality time with our loved ones outside in nature instead of staring at digital devices."

Die Publikation geht zunächst auf die Ablenkung ein, die heutige Technologien in jeder Lebenssituation auf uns ausüben, und auf die Begriffe der Internet- und Smartphone-Sucht. Letztere wird aufgrund von weltweit mehreren Milliarden Smartphones zunehmend kritisch gesehen, ist aber wissenschaftlich bisher wenig von klassischen Ausprägungen der Internet- oder Onlinespiele-Sucht abgegrenzt.

Mit Bezug auf unsere Produktivität postulieren die Autoren, dass eine "Überdosis" an Internetnutzung der Leistungsfähigkeit einen deutlichen Abbruch tut - und zwar nicht nur abhängig von der Gesamtnutzungsdauer, sondern vor allem von der Anzahl einzelner Zugriffe auf die elektronische Ablenkung.

Was unsere Emotionen und sozialen Interaktionen angeht, kann ein Smartphone die neurowissenschaftlich verankerten Grundbedürfnisse des Menschen niemals vollständig befriedigen. Eine ausschließlich elektronische Kommunikation mit den Mitmenschen würde biologische Fähigkeiten des sozialen Austauschs sogar verkümmern lassen, indem man den Umgang mit Mimik, Gestik und Intonation verlernte.

Zu den am Ende des Artikels hervorgehebenen Alltagsempfehlungen gehören folgende:

  • Tragt eine analoge Armbanduhr und verwendet im Schlafzimmer einen analogen Wecker - sonst lenkt das Telefon euch ab, wenn ihr auf die Uhr seht.
     
  • Menschen besitzen ein immanentes Verlangen nach sozialer Interaktion - so besuchen sie etwa Kneipen, um sich zu treffen und zu kommunizieren. Sichert euch diese Zeit als "Quality Time" und stellt eure Telefone bei Treffen mit Freunden und der Familie aus.
     
  • Wenn ihr mit der Bahn zur Arbeit pendelt, gönnt euch etwas Freude und Ruhe mit einem Blick aus dem Fenster. Wir alle brauchen Ruhezeiten, um unsere Gedanken schweifen zu lassen - als eine Voraussetzung für kreative Entfaltung.


Ein eigener Abschlussgedanke zum letzten Punkt: Auch das Fahrradfahren, Joggen oder Duschen können typische Situationen sein, in denen man nicht vom Handy oder anderen Medien abgelenkt ist: Momente, in denen man manchmal überraschend auf neue Gedanken kommt! Gönnen wir uns mehr davon, indem wir unsere Gedanken öfter frei lassen - frei von Berieselungen per Fernseher, Radio, PC ... oder Smartphone.

Thema: Carpe diem instead of losing your social mind

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